Heute nahm ich es gemütlich. Zuerst ging es ins Museum “House Of Leaves” gleich gegenüber der Kathedrale der Auferstehung Christi. Das ist eine albanisch-orthodoxe Kirche mit einer gewagten Architektur.

Das Museum selber widmet sich ebenfalls der Geheimpolizei Sigurimi während der kommunistischen Gewaltherrschaft. Das Museum wendet den Blick aber eher auf die Methoden im Gegensatz zu Bunk’Art 2 welches eher die tragischen Geschichten der Betroffenen erzählt. Das Gebäude in dem das Museum beherbergt wird, war auch das Hauptquartier der Sigurimi. Vorher war dort eine Geburtshilfeklinik tätig.

Sehr spannend, welche umfangreichen Bemühungen unternommen wurden um missliebige Personen zu bespitzeln. Bspw. waren während der Sozialistischen Volksrepublik Tourismus oder Geschäftsreisen grundsätzlich möglich, die Besucher mussten aber im Hotel Dajti nächtigen. Diese Gegebenheit wurde dann genutzt um die Gäste während ihres Aufenthalts zu observieren. Es wurden Videoaufnahmen gemacht und die Zimmer mit Wanzen abgehört. Der Rezeptionist des Hotels war sogar ein Mitarbeiter der Sigurimi. Das Hotel selber exisitiert nicht mehr aber wird im Moment gerade zurechtgemacht, welchem Zweck das in typischer faschistischer Architektur gebaute Gebäude nachher dienen soll, habe ich nicht herausgefunden.

Anscheinend wurde auch diesselben Methoden bei allen diplomatischen Vertretungen angewendet. Die schweizerische Vertretung habe ich per Zufall auch entdeckt, vlt. waren wir von den Spionagen auch betroffen.

Nach dem Museum spaziert ich auf der Prachtstrasse Bulevardi Dëshmorët e Kombit Richtung Süden. Die extrem breite Strasse beginnt beim Skanderbeg Platz und endet beim Mutter-Teresa-Platz an dessen Ende die Universität thront.


Gleich in der Nähe hat auch der Präsident des Landes seinen Amtssitz.

Weiter gegen Osten spürt man auch den Willen der Albaner die Stadt zu modernisieren. Dort entstehen futuristische Bauten mit internationalem Charme.

Mein eigentlicher Weg führt aber noch weiter zum Grossen Park, dem Stadtpark von Tirana. Dieser wurde in der jetzigen Grösse im Jahre 1961 fertiggestellt. Im Vergleich zur Stadt ist es dort merklich kühler. In den letzten Jahren wurden viele Anstrengungen unternommen um den Park einladender zu gestalten. Man merkt das sehr, es gibt praktisch keinen Abfall im Park und es wirkt alles sehr gepflegt. Mitten im Park wurde damals auch ein recht grosser künstlicher See angelegt.



Innerhalb des Parkes findet man auch unzählige Gräber, Denkmäler und Statuen. Bspw. werden hier 46 britische Soldaten geehrt, welche im Widerstand mit Albanern kämpfend gefallen sind.


Zurück bin ich dann durch das Viertel Blloku spaziert und habe dort kurz einen Abstecher in den kleinen Park Lulishte Ismail Qemali gemacht. Der Park gilt als Open Air Museum und beherbergt verschiedene Objekte welche dem Ende des Kommunismus gewidmet sind. Bspw. steht hier ein Stück der Berliner Mauer oder einer der tausenden Atombunker die Enver Hoxha erbauen liess.


Heute habe ich mich noch schlau gemacht über die ehemalige Privatresidenz von Enver Hoxha. Das Gebäude steht noch unberührt seit fast 30 Jahren da, seit der Diktator im Jahre 1985 verstorben ist. Auch die Inneneinrichtung ist noch im Originalzustand vorhanden. Die Villa steht im heutigen belebten Viertel Blloku und war aber damals ein abgeriegeltes Quartier welches für die Parteielite vorbehalten war. Der jetzige Ministerpräsident Edi Rama will das Haus für die Öffentlichkeit zugänglich machen und hat ein interessantes Statement gemacht im Sinne von der Geist von Hoxha soll weiter leben aber drinnen sollen Kunstkurse und Ausstellungen, Literaturvorträge und außenpolitische Diskussionen stattfinden, alles was Hoxha verabscheut hat.

Morgen verlasse ich Tirana und gehe weiter in den Süden.

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