Da ich sowieso 2 Tage hier in Tirana bleibe, wurde heute morgen ausgeschlafen. Nach einem einfachen Frühstück ging es dann zuerst einmal zu Fuss los Richtung Skanderbeg Platz. Das ist der zentrale Platz der Hauptstadt und ist dem gleichnamigen albanischen Fürst gewidmet. Er gilt als Nationalheld und ihm zu Ehren thront ziemlich in der Mitte eine bronzene Reiterstatue von ihm.

Leider konnte ich kein besseres Foto machen, da im Moment der Platz zu grossen Teilen wegen eines Festivals gesperrt ist.
Der Skanderberg Platz gilt auch als das Zentrum des Landes und so ist es nicht verwunderlich das wichtige Staatsgebäude dem Platz angrenzen. Bspw. sind hier alle wichtigen Ministerien angesiedelt oder das während der kommunistischen Ära des Landes erbaute Nationalmuseum. In typischer sozialistischer Heroik schmückt die Front ein eindrückliches Mosaik. Es soll den andauernden Kampf des albanischen Volkes gegen alles darstellen.

Auch wenn viele Gebäude der kommunistischen Herrschaft zum Opfer gefallen sind gibt es doch ein paar historische Gebäude. Da wäre bspw. die Et’hem-Bey-Moschee welche bereits seit 1794 dort steht, bevor überhaupt der Skanderberg Platz eingerichtet wurde. Gleich daneben steht der Uhrturm von Tirana. Wohl eines der wichtigsten Wahrzeichen der Stadt. Von diesem Uhrturm ergibt sich auch eine wunderbare Aussicht auf den Platz.


Der Uhrturm und sonst die Gebäude am Platz wirken sehr eingedrückt, wird doch in der zweiten Reihe um den Platz kräftig gebaut. Moderne Hochhäuser wie in allen modernen europäischen Städten schiessen wie Pilze aus dem Boden. Man erkennt hier in Tirana wie sonst nirgends im Land den wirtschaftlichen Fortschritt. Auffallend ist auch die gewagte Farbmethodik, denn ich habe gelesen, dass die Albaner damit probieren die tristen Bauten aus sozialistischer Zeit zu kaschieren.


Unweit vom Skanderbeg Platz befindet sich auch die Pyramide von Tirana. Die Tochter von Enver Hoxha hat diesen Bau entworfen und es beherbergte danach ein Museum um den Personenkult ihres Vaters aufrechtzuerhalten. Mit dem Sturz des kommunistischen Regimes nur 2 Jahre später wurde das Gebäude unterschiedlich weitergenutzt und wäre mal fast abgerissen worden um einem neuen Parlamentsgebäude Platz zu machen. Seit Kurzem ist es nun ein Kultur- und Bildungszentrum für Jugendliche, die Pyramidenform ist aber noch klar zu erkennen.

Um etwas Schutz vor der Sonne zu finden bin ich beim Skanderbeg Platz in die Tiefe gegangen und habe mir das Museum Bunk’Art 2 angeschaut. Es widmet sich der albanischen Geheimpolizei Sigurimi während der kommunistischen Gewaltherrschaft. Interessant sind die Parallelen zur Stasi während der DDR, wurden doch auch in Albanien missliebige Personen oder politische Gegner abgehört, zensiert, gefangen oder auch getötet worden.

Nach einer kurzen Mittagspause habe ich dann ein Taxi zusammen mit 2 norwegischen Touristen bestiegen und bin an den Stadtrand gefahren um dort das Schwestermuseum Bunk’Art 1 anzuschauen. Das Museum befindet sich in einem ehemaligen Bunker aus der Zeit der Herrschaft von Enver Hoxha. Das Regime war sich sehr bewusst, dass ausländische Mächte der Sozialistischen Volksrepublik Albanien weit überlegen waren und aus Furcht dessen eine riesige Führungsanlage in einen Berg gebaut haben. Die gesamte politische Elite hätte sich darin verkrochen und wäre dann noch immer in der Lage gewesen die Führung aufrechtzuerhalten auch wenn eine Atombombe über Tirana niedergegangen wäre. Sehr eindrückliche Anlage und erstaunlich gut erhalten obwohl verärgerte Bürger die Anlage während des Lotterieaufstandes geplündert haben.



Vom Museum her bin ich dann in die Innenstadt zurückgelaufen. Das Albanien eines der ärmsten Länder Europas ist, erkennt man hier leider sehr gut und die Abfallbewirtschaftung scheinen sie im Vergleich zu anderen Ländern im Balkan nicht wirklich im Griff zu haben.
Per Zufall bin ich vorher beim Nachtessen im Viertel Blloku an der ehemaligen Residenz von Enver Hoxha vorbeigelaufen. Das unscheinbare Gebäude steht gut erhalten noch da, werde mir morgen mal die Geschichte zum Gebäude zu Gemüte führen.

Spannender Tag war das heute, Albanien hat eine derart turbulente Vergangenheit. Da wünscht man sich so gerne, dass ein so derart freundliches Volk mal seine Ruhe findet.

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